Im Oktober beschäftigte sich die SPD Röhlinghausen in einer Mitgliederversammlung mit der Parteireform und in ihrer monatlichen Vorstandssitzung ein Jahr nach der Sarrazin-Debatte mit dem Thema „Integration“.
Die Mitgliederversammlung am 06.10.2011 unter dem Titel „Die SPD erneuert sich“ wurde im Volkshaus Röhlinghausen gemeinsam mit dem benachbarten Ortsverein Wanne-Süd veranstaltet. Vor gut 25 Interessierten fasste das Röhlinghauser Vorstandsmitglied Hendrik Bollmann das Positionspapier der SPD-Spitze zusammen. Es folgte eine lebhafte Diskussion unter den Beteiligten. Im Mittelpunkt der Diskussion stand, welche neuen Wege die SPD zukünftig bestreiten müsste, um vermehrt auch wieder junge Menschen für sich begeistern zu können, aber auch welche alten Traditionen wieder stärker belebt werden müssten. Zu ersterem bestand Einigkeit darin, dass die neuen Wege zur Kommunikation stärker in den Mittelpunkt der politischen Arbeit rücken müssten – vor allem das Internet. Gleichzeitig wurde jedoch auch betont, dass das Internet das Gespräch mit dem Bürger nicht ersetzen dürfe, sondern nur ergänzen soll. Zu den alten Traditionen, die stärker wiederbelebt werden müssten, wurde die stärkere Anbindung zu den Gewerkschaften gezählt.
Junge wie alte Diskutanten waren sich darin einig, dass man zukünftig in der Parteiarbeit stärker auf die Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten der Menschen eingehen müsse. Das gehe nur bedingt mit den Organisationsstrukturen von „früher“. Beispielhaft sei hier zu nennen, die veränderte Rolle der Frauen. Familie, Karriere und gleichzeitiges politisches Engagement dürften keine Gegensätze darstellen.
Kurz angemerkt: Belebt wurden die Diskussionen unter anderem von Henrik Weiß (23 Jahre alt), der erst wenige Wochen vor der Mitgliederversammlung in die SPD eingetreten ist und mit seiner „Sicht von außen“ zahlreiche Anregungen geben konnte.
In der Vorstandssitzung der SPD Röhlinghausen am 07.10.2011 standen dieses Mal drei Gäste im Vordergrund. Ein Jahr nach der Sarrazin-Debatte und der zu diesem Anlass durchgeführten Veranstaltungsreihe der drei Ortsvereine Wanne-Süd, Eickel und Röhlinghausen wurden Vertreter der RAA Herne eingeladen, um über ihre Bildungsarbeit mit Migranten zu sprechen. Die RAA-Delegation wurde angeführt von der Leiterin der Herner RAA, Radojka Mühlenkamp. Sie wurde begleitet von ihren Mitarbeitern, den Diplom-Sozialarbeitern Claudia Mai und Mark Antony Hoff. Zuerst gab Frau Mühlenkamp einen grundsätzlichen Überblick zur Arbeit der RAA Herne, in dem sie Bildung als einen wichtigen Schlüssel zur besseren Integration der hier lebenden Migrantinnen und Migranten herausstellte. Im Anschluss schilderten die Mitarbeiter Frau Mai und Herr Hoff ihre Schwerpunktfelder vor. Frau Mai beschäftigt sich vor allem mit der Bildung der Eltern, die in der Regel zwar immer das Beste für ihre Kinder wollen, denen aber oftmals einfach nur die Kenntnisse über die Anforderungen des Bildungssystems fehlten. Zusätzlich engagiert sie sich im Projekt der Bildungslotsinnen, in denen Migrantinnen mit Bildungserfolg dazu ausgebildet werden, junge Mädchen zu demselben Bildungserfolg zu führen. Herr Hoff stellt seine oftmals nicht einfach Arbeit mit problematischen Jugendlichen dar, die in der Schule auffällig geworden sind und in dessen Folge sich die jeweiligen Schulleitungen an ihn wenden. In intensiven Gesprächen und Fördermaßnahmen, sogenannten „Coaching“, versucht er die Jugendlichen wieder auf die richtige Spur zu bringen, so dass diese ihren Schulabschluss und eine Ausbildung machen könnten. Zu seinen Klienten gehören nicht nur Migranten, sondern zur Hälfte auch deutsche Jugendliche. Die Arbeit sei zwar schwer, berichtet Hoff, der sich vielfach einstellende Erfolg entschädige aber für die Mühen.
In der darauf folgenden Debatte wurde dann noch mal intensiv mit den Gästen, aber auch unter den Vorstandsmitgliedern über den Stand der Integration seit der Sarazzin-Debatte im Jahr 2010 diskutiert.