Ein Kommentar von Dieter Maaß, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied der SPD Röhlinghausen
In einer Zeit, in der fast alle Neugeborene Wunschkinder sind, spüren junge Menschen die Verantwortung, die das Großziehen von Kindern mit sich bringt. Immer stärker setzt sich in unserer Gesellschaft die Erkenntnis durch, dass diese Verantwortung schwer zu übernehmen ist, wenn man aus einem ungesicherten Arbeitsverhältnis seinen Lebensunterhalt bestreiten muss.
Für uns Sozialdemokraten muss die Abschaffung der Leiharbeit und der befristeten Arbeitsverhältnisse eine zentrale Forderung werden. Der Kampf der Arbeiterbewegung für den Kündigungsschutz darf nicht umsonst gewesen sein. Die Argumente, unsere Wirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig, wenn wir solche Arbeitnehmerrechte durchsetzen, sind wenig überzeugend.
Erinnern wir uns: Die berufliche Ausbildung war und ist den Unternehmen aber auch staatlichen Einrichtungen zu teuer. Jetzt suchen die gleichen Verantwortlichen Fachleute im Ausland. Das sie sich an den sozialen Folgekosten solcher Anwerbungen beteiligen wollen – z. Bsp. Familienzusammenführungen, Gesundheitsfürsorge für Angehörige usw., davon liest und hört man nichts. Erinnern wir uns auch an die Unternehmensentscheidungen 50jährige nicht mehr einzustellen, da sie angeblich nur eingeschränkt leistungsfähig sind.
Wir Sozialdemokraten müssen deshalb fordern:
Abschaffung der Leiharbeit.
Keine Befristung der Arbeitsverhältnisse über die Bestimmungen des Kündigungsschutzgesetzes hinaus.
Unsere Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohnes, in Anlehnung an gültige Tarifverträge der jeweiligen Branche, müssen wir stärker in die Öffentlichkeit tragen. Ob wir nach der Durchsetzung dieser Forderungen eine höhere Zahl Neugeborener haben, ist nicht ausgemacht. Es wäre aber ein Grund weniger, sich gegen einen Kinderwunsch zu entscheiden.